Unser Tele Tandem mit Aix en Provence als Praxisbeispiel für gelungene Austauschprojekte

Unser deutsch-französischer Austausch schaffte es nicht nur ins Fernsehen, sondern auch in die Fachzeitschrift "FRANZÖSISCH heute":

46. Jg. 2015, Heft 4 29, FRANZÖSISCH heute

Beispiel 1: Christiane Behling
Krimi-Doppel: Ein deutsch-französisches Tele-Tandem® Projekt


Aix-en-Provence, Rue Esquicho-Coude. Dramatische Musik ertönt. Ermittlerin Julika beschattet zwei verdächtige Gestalten. Sie nimmt die Verfolgung auf und drängt dann einen der Verdächtigen an die Wand: « As-tu tué la femme ? » befragt sie ihn mit bedrohlicher Stimme « Non, je ne l’ai pas tuée. J’ai juste fourni les armes, c’est tout. » (vgl. Abb. 1). Der deutsche Akzent verrät die jungen Schauspieler: Die Protagonisten dieses Kurzfi lms sind Schüler der Wilma-Rudolph-Oberschule aus Berlin, die im Schuljahr 2013/14 an einem deutsch-französischen Schüleraustausch teilgenommen haben und in diesem Rahmen gemeinsam mit ihren Partnerschülern aus den Collège La Nativité in Aix-en-Provence ein gemeinsames Tele-Tandem® IN-Projekt umgesetzt haben.

 

1. Die Vorbereitung
Begonnen hatte die Arbeit an dem gemeinsamen Projekt mit dem Titel Le Bi-Polar / Das Krimi-Doppel bereits im Oktober 2013 auf der Tele-Tandem®-plaTTform.e, der kollaborativen Arbeitsplattform für Schulen, die das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) Lehrkräften aus Frankreich und Deutschland kostenlos zur Verfügung stellt (vgl. [http://plattforme.tele-tandem.net] und [www.dfjw.org]). Hier hatten die beiden verantwortlichen Lehrkräfte,
Anke Hundt aus Aix-en-Povence und Kristina Fischer aus Berlin, einen Kursraum angelegt, in dem die Schülerinnen und Schüler zusammenarbeiten und sich austauschen konnten, um so die Begegnungen im April in Aix und im Mai in Berlin vorzubereiten.


Zunächst lernten sich die die Lernenden der Partnerklassen über das Spiel Wer bin ich? kennen. Der Clou hierbei: Die Schüler tauschten keine schriftlichen Steckbriefe aus, sondern sprachen ihre persönlichen Beschreibungen mündlich ein und stellten die Aufnahmen in dem gemeinsamen Arbeitsbereich auf der Plattform den anderen zur Verfügung, die dann erraten sollten, um wen es sich handelt. Und dann wurde es konkret: Für die geplanten Kriminal-Kurzfilme wurden in Berlin und in Aix die Drehorte festgelegt und den Partnern mit Hilfe von Fotos vor Augen geführt, so dass sie sich ein Bild machen konnten. In deutschfranzösischen Kleingruppen wurden anschließend in einem Wiki, also einer Möglichkeit, online gemeinsam einen Text zu verfassen, die Drehbücher geschrieben und die Steckbriefe der Protagonisten erstellt. Die Berliner Schüler sollten die Texte auf Französisch verfassen und die Schüler aus Aix auf Deutsch. Das klappte dank der Unterstützung und Korrektur durch die jeweiligen Tandempartner prima.


2. Der Dreh
Die eigentlichen Dreharbeiten zu den Krimis fanden während der Begegnungen statt. Während des Besuchs der Franzosen in Berlin drehten diese ihre Kurzfilme in deutscher Sprache an den ausgewählten Drehorten und nach dem gemeinsam verfassten Drehbuch. Während des Besuchs der Deutschen in Aix drehten diese ihre Krimiszenen in französischer Sprache an den Orten, die vorab von den französischen Partnern ausgewählt worden waren. Doch zunächst musste natürlich jede Menge Text gelernt werden. Gar nicht so einfach in der Fremdsprache! Aber glücklicherweise hatte jeder Jungschauspieler mit seinem Tandempartner einen eigenen Sprachcoach an seiner Seite, der ihm dabei half, seine Aussprache zu perfektionieren: Die französischen Schüler lasen
die französischen Texte ein und stellten diese Aufnahmen auf die Plattform. Sie waren dann die Grundlage für die mündliche Textarbeit der deutschen Schüler und umgekehrt. Entstanden sind so vier Kurzfilme auf Deutsch und vier Kurzfilme auf Französisch, die anschließend entsprechend geschnitten und bearbeitet werden mussten. So hatte jede Schülerin und jeder Schüler die Möglichkeit, sich entsprechend den eigenen Fähigkeiten aktiv ins Projekt
einzubringen.


3. Der Förderpreis
Nach diesen spannenden und lustigen Austauschtagen in Berlin und Aix, in denen viel zusammen gelacht und intensiv gearbeitet wurde, wieder zurück an ihren jeweiligen Heimatorten, organisierten die deutsche und die französische Klasse jeweils eine Filmjury, um die Arbeit der Partnerschule zu bewerten. Und so wurden Preise für den besten Film, die besten Schauspieler, das beste Kostüm, den besten Trailer, das beste Drehbuch, die beste Aussprache und den besten Schnitt verliehen – ganz so wie bei den Filmfestspielen in Cannes oder bei der Berlinale. Mit ihrem Projekt haben die Wilma-Rudolph-Oberschule und das Collège La Nativité aber noch einen weiteren Preis gewonnen: Den Tele-Tandem® Förderpreis des Deutsch-Französischen Jugendwerks.
Mit dem Tele-Tandem®-Förderpreis zeichnet das DFJW jährlich zehn deutsch-französische Schulaustauschbegegnungen aus, die kooperative Projektarbeit, neue Medien und das Sprachenlernen im Tandem effektiv miteinander verbinden und mit einem konkreten, gemeinsam erstellten Endprodukt (z. B. Fotoroman, Musikvideo, Theaterstück, deutsch-französisches Rezeptebuch o.ä.) enden. In diesem Jahr gehört Le Bi-Polar / Das Krimi- Doppel mit seiner gelungenen Arbeit im Tandem, dem kreativen und zielgerichteten Einsatz der neuen Medien und den wirklich gelungenen Krimifilmen eindeutig dazu. Die Klassen konnten sich so jeweils über 300 Euro freuen, die sie beispielsweise für den nächsten Schüleraustausch einsetzen können oder auch, um ihre
Filmausrüstung zu vervollständigen. Der Tele-Tandem-Förderpreis wird jedes Jahr vom Deutsch- Französischen Jugendwerk ausgeschrieben, Bewerbungsschluss ist jeweils der 30. September. Alle Informationen dazu finden sich auf der Tele-Tandem®-Webseite. Die Ausschreibung des Preises für die IN-Projekte richtet sich immer an deutsch-französische Schulpaare, von denen mindestens in einer Schule die Partnersprache intensiv unterrichtet
wird. Bewerbungsschluss ist im Herbst eines Jahres. Das Institut français (IF) Deutschland und das Goethe- Institut (GI) Paris möchten mit der Vergabe eines Preises im Rahmen des Programms IN-Projekte einerseits Schulen mit zweisprachigen Angeboten unterstützen. Andererseits soll die projektbezogene interdisziplinäre und interkulturelle Arbeit innerhalb eines deutsch-französischen Schulaustausches gefördert werden. Zu diesem Zweck verleihen sie den beiden Partnerschulen mit dem besten Projekt eines jeden Jahres den IN-Projekte-Preis. Die beiden Schulen werden von einer deutsch-französischen Jury (IF, GI, DFJW, Kultusministerkonferenz, Ministère de l’Education nationale) ausgewählt.


Webseiten zum Tele-Tandem® und zu den IN-Projekten
• Deutsch-Französisches Jugendwerk [www.dfjw.org].
• Tele-Tandem® [www.tele-tandem.net].
• Tele-Tandem®-Förderpreis [www.tele-tandem.net/de/
mitmachen/tele-tandem-stipendium/].
• Tele-Tandem® Praxibeispiele [http://www.tele-tandem.net/
de/praxis/projektbeispiele/]
• Tele-Tandem®-Plattform plaTTform.e [http://plattforme.
tele-tandem.net/].
• IN-Projekte Informationen [http://in-projekte.dfjw.org/
informationen/projekte].
• IN-Projekt Beispiele [http://in-projekte.dfjw.org/inprojekte/
all].

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