Auf Wiedersehen, Maria Kottrup: Eine Schulleiterin zum Träumen

Im Leute-Newsletter Steglitz-Zehlendorf des Tagesspiegels griff auch Redakteur Boris Buchholz die Verabschiedung unserer Schulleiterin Frau Kottrup auf - eine winzige Korrektur: Sie hat die “Wilma” fünf Jahre geleitet:

Diese Woche verlassen nicht nur die Schülerinnen und Schüler ihre Schulen; die einen in die Ferien, die anderen in die Ausbildung, ins Studium oder ins Freiwilligen- oder Auslandsjahr. Auch einige Schulleitungen wechseln zum neuen Schuljahr – eine von denen, die der Schule ihren Rücken kehren, ist Maria Kottrup, die Leiterin der Wilma-Rudolph-Oberschule. Bis November 2019 war Axel Jürs „ihr“ Verwaltungsleiter an der Dahlemer Schule – eng durfte (und musste) er mit Maria Kottrup zusammenarbeiten. Heute ist er an der Johanna-Eck-Schule in Tempelhof tätig, gleich an der Grenze zu Lankwitz. Auf seine ehemalige Chefin hält er große Stücke, zum Abschied aus dem Schuldienst hat er diese Laudatio verfasst:

Pensionierung? Was, jetzt schon?! Wer sie erlebt, möchte vermuten, dass die aktuelle Schulleiterin der Wilma-Rudolph-Oberschule (WRO), Maria Kottrup, die Vorzüge einer vorzeitigen Pensionierung nutzen möchte. Tatsächlich überrascht sie manchen mit dem Hinweis, dass sie die erreichte Pensionsgrenze mit Rücksicht auf „ihre Wilma“ bereits einmal um ein Jahr hinausgeschoben hat. Nicht etwa, weil ihr zur gewonnenen Freizeit zu wenig einfiele, sondern weil noch einiges auf den Weg zu bringen gewesen sei.

Dinge auf den Weg zu bringen, sie zu begleiten, aber auch andere machen zu lassen, ist eines der Markenzeichen ihrer Jahre als Schulleiterin. Man mag kaum glauben, dass es nur vier gewesen sein sollen, soviel wie sie bewegt, angeschoben, aufs Gleis gesetzt und auch selbst umgesetzt hat. Dass sie seinerzeit den Schritt aus der Senatsverwaltung in die Alltagspraxis einer großen Schule gewagt hat, fanden einige mutig. In der Schulinspektion Schulen auf Herz und Nieren zu prüfen, ist die eine Herausforderung; sich selbst den Bewährungsproben der Leitung einer großen ISS zu stellen, noch einmal eine ganz andere. Dass die Bewährungsprobe mit Glanz und Gloria bestanden wurde – was Maria Kottrup selbst aus Zurückhaltung so nicht formulieren würde – ist sicht- und messbar: In vielen Bereichen steht „die Wilma“ heute noch besser da als zu Beginn ihrer Zeit als Direktorin. „Etwas sehr Gutes noch besser zu machen“, stand als inoffizielles Motto über ihrer Amtszeit.

Namensgeberin Wilma Rudolph ist heute an der Schule viel präsenter: Sich als Schule einen wohlklingenden Namen zu geben, ist viel einfacher, als der Benennung auch gerecht zu werden. Die Namenspatronin Wilma Rudolph war nicht nur eine Ausnahmesportlerin und olympische Goldmedaillen-Gewinnerin. Maria Kottrup hat es geschafft, Wilma Rudolphs bemerkenswerte soziale Karriere und ihr außergewöhnliches Engagement für die Bürgerrechtsbewegung in das Bewusstsein aller am Schulleben Beteiligten zu bringen. Statt kommerzieller Schulkalender für die Schülerinnen und Schüler der Mittelstufe hat die Schule heute einen eigenen Wilma-Kalender, der Wilma Rudolphs Geschichte erzählt. Und aufrüttelt und Mut macht. Es gibt ein Schul-T-Shirt, das zum 25-jährigen Jubiläums der Schule alle trugen – von der siebten Klasse bis zu den Abiturienten, von der Referendarin bis zur Schulleiterin. Und in der Festorganisation sorgte Maria Kottrup dafür, dass sich die Kurzstrecken-Läuferin Wilma Rudolph bei der Ausstellung und den kurzweiligen Beiträgen nicht gelangweilt hätte – was auch die Schüler begrüßten. Als Deutsch- und Französisch-Lehrerin, die sie auch als Schulleiterin gerne blieb, sind ihr rhetorische Ausschweifungen und sprachliches Mittelmaß ohnedies eine Zumutung.

Kundenorientierung, Kompetenz, Korrektheit. Maria Kottrup wusste und berücksichtigte jederzeit, dass „Schule als Behörde und im Auftrag des Landes Berlin“ agiert. Für sich und das Team war ihr deshalb wichtig, bürgerfreundlich zu handeln. Ob die Abstufungen und festgelgte Reihenfolge bei Erziehungsmaßnahmen einzuhalten seien? Aber ja! Wurden Bescheide – natürlich als freundliche Briefe – verschickt, verließen sie ihr Büro nicht ohne die Erläuterung, welche rechtlichen Einspruchsmöglichkeiten die Empfänger wie ausüben können. Bei filigranen Rechtsfragen und in besonderen Fällen holte sie beim „Juristen ihres Vertrauen“ auch mal „gerichtsfeste“ Formulierungen ein. Es war kein Geheimnis: Der „Hausjurist“ war ihr Ehemann.

Was bleibt? Maria Kottrup hat kein Faible für selbst gesetzte Denkmäler. Auch der Furcht, wie es wohl ohne sie weitergehe, kann sie nichts abgewinnen. Einen „Laden“, der tipptopp läuft, zu übergeben, ist ihr wichtig – alles andere empfände sie der Nachfolgerin gegenüber als unprofessionell. Für die scheidende Schulleiterin ist ganz klar, dass ihre Nachfolgerin auch eigene Schwerpunkte setzen können muss. Dafür gute Voraussetzungen geschaffen zu haben, ist ihr ein Anliegen – vielleicht ist es der einzige Erfolg, den sie auch selbst deutlich für sich reklamieren würde. Über die anderen Erfolge mögen andere urteilen.

Diese Meilensteine mit einer unwiderstehlichen Kombination aus Kompetenz, Hartnäckigkeit, Rationalität und Empathie errungen zu haben, zeichnet Maria Kottrup aus. Ebenso wie die Eigenschaft, diskursiven Widerstand nicht nachzutragen. Auf Gegenwind, zumal wenn er aus Mangel an Vorstellungsvermögen oder Unwilligkeit zur Veränderung geblasen wurde, reagierte sie mit Humor, Haltung und Hartnäckigkeit. Und mit Phantasie: Zu Maria Kottrups Amtszeit passt das Zitat von Wilma Rudolph, das dank der Schulleiterin die neuen T-Shirts der Schule ziert: „Never underestimate the power of dreams! – Unterschätze nie die Macht von (Zukunfts-)Träumen!“

Was wünscht man der Nachfolgerin? Dass sie, wie Maria Kottrup, nicht nur eigene Träume und Visionen für die Wilma hat und entwickelt, sondern auch diese absolut offene Bereitschaft mit sich trägt, solche Träume bei anderen zu bemerken, aufzugreifen und zu unterstützen! Das ist echte Führung, aus der natürliche Autorität erwächst – vielleicht ist das eines von Maria Kottrups Erfolgsgeheimnissen der zurückliegenden Jahre. Die anderen behält sie mit einem verschmitzten Lächeln für sich…

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